Die Qual der Wahl bei der Gründung: Welche Rechtsform passt zu meinem Unternehmen?

Worauf muss man achten und welche Rechtsformen gibt es überhaupt?

Sie haben die zündende Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung? Sie haben das Zeug zur Umsetzung? Dann ist es an der Zeit sich Gedanken über die passende Rechtsform für Ihre Firma zu machen.

Wir haben bei Michaela Steinwidder vom Gründerservice der WKO nachgefragt, was man bei der Wahl der Rechtsform bedenken sollte. „Einen allgemeingültigen Rat gibt es nicht. Es kommt immer auf die konkrete Situation an“, so die Expertin. Zunächst gehe es einmal um ganz grundsätzliche Fragen: Möchte man das Unternehmen allein führen? Hat man Partner? Wenn ja, wer soll die Verantwortung wofür tragen? Wer übernimmt die Haftungen? Wie wird das Unternehmen finanziert? Die häufigste Form bei Gründungen ist das Einzelunternehmen. „Im Jahr 2016 wurden in Österreich mehr als 34.800 EPU gegründet, das macht mehr als 87 Prozent aller Firmengründungen aus“, weiß Steinwidder.

Wer kein Einzelkämpfer ist, ist vielleicht in einer Gesellschaft besser aufgehoben. „Vorab sollte man sich überlegen in welcher Höhe man bereit ist Haftungen zu übernehmen, ob man vielleicht sogar mir seinem Privatvermögen haftet. Als Alternative bietet sich möglicherweise die Gründung einer Kapitalgesellschaft an“, so Steinwidder. Auch wenn bei manchen Rechtsformen ein formeller Vertrag nicht zwingend ist, sollten die Beteiligten unbedingt alle Rechte und Pflichten untereinander und zur Gesellschaft schriftlich festhalten. „Denn es können später immer Probleme auftauchen, an die man bei der Gründung noch überhaupt nicht gedacht hat“, empfiehlt Steinwidder.

Die Rechtsformen im Überblick

Einzelunternehmen

Das Einzelunternehmen ist die in Österreich am häufigsten verbreitete Rechtsform. Der Inhaber betreibt die Firma auf eigenen Namen und eigene Rechnung und haftet unbeschränkt mit seinem gesamten Betriebs- und Privatvermögen.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Mit rund 3.490 als GmbH gegründeten Unternehmen im Jahr 2016 ist dies die häufigste Gesellschaftsform. Zur Gründung muss ein Gesellschaftsvertrag in Form eines Notariatsakts erstellt werden. Das Stammkapital beträgt 35.000 Euro, die Hälfte davon ist von den Gesellschaftern im Rahmen der Gründung aufzubringen.

TIPP: Bei Gründung einer gründungsprivilegierten GmbH reicht für die ersten zehn Jahre ein Stammkapital von 10.000 Euro!

Offene Gesellschaft (OG)

Für die Errichtung einer OG ist kein Stammkapital erforderlich. Die Gesellschafter haften persönlich, unbeschränkt und solidarisch für Verbindlichkeiten. Jeder Gesellschafter ist zur Geschäftsführung und Vertretung des Unternehmens befugt. Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Form des Vertrags.

Kommanditgesellschaft (KG)

Eine KG ist einer OG sehr ähnlich – neben den unbeschränkt haftenden Gesellschaftern gibt es noch beschränkt haftende, sogenannte Kommanditisten. Sie haften nur mit der im Firmenbuch eingetragenen Haftungssumme und sind nicht zur Geschäftsführung und Vertretung befugt.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GesbR)

Sie besitzt keine eigene Rechtspersönlichkeit – d.h. sie kann keine Rechte erwerben und Verbindlichkeiten eingehen bzw. als Gesellschaft klagen oder geklagt werden. Für Schulden haften die Gesellschafter solidarisch, persönlich und unbeschränkt.

Stille Gesellschaft (stG)

Hier beteiligt sich ein stiller Gesellschafter mit einer Vermögenseinlage am Unternehmen eines anderen und ist an Gewinn und Verlust beteiligt. Ein stiller Gesellschafter ist weder geschäftsführungs- noch vertretungsbefugt.

Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft (Gen)

Die Möglichkeit jederzeit ein- und austreten zu können, zeichnet diese Rechtsform aus. Sie eignet sich für Kooperationen zwischen Partnern, die ein gleiches Ziel verfolgen – etwa Einkaufs-, Bau-, Wohnungs-, Kredit- oder Nutzungsgenossenschaften. Es gibt Vorstand, Aufsichtsrat und Generalversammlung.

Aktiengengesellschaft (AG)

Das Grundkapital für die Gründung einer AG muss mindestens 70.000 Euro betragen und durch die Zeichnung der Aktien durch die Aktionäre aufgebracht werden. Für Verbindlichkeiten, die darüber hinausgehen, übernehmen diese keine Haftung. Es gibt Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung. Geschäftsführung und Vertretung des Unternehmens erfolgen durch den Vorstand – dessen Mitglieder werden vom Aufsichtsrat ernannt. Bei der Gründung einer AG muss ein Notariat hinzugezogen werden.