Die sechs größten Mythen rund um Bonitätsinformationen und Wirtschaftsauskunfteien

Zu Wirtschaftsauskunfteien und Bonitätsinformationen gibt es seit jeher verschiedenste Mythen. In diesem Beitrag werden die sechs größten Irrtümer aufgedeckt und geklärt.

Mythos Wirtschaftsauskunfteien und Bonitätsinformationen

1. Wirtschaftsauskunfteien dürfen keine Daten von mir speichern.

Das Tätigkeitsfeld von Wirtschaftsauskunfteien wird auf Basis des §152 Gewerbeordnung 1994 (GewO) und der dazu ergangenen Rechtsprechung festgelegt und berechtigt sie zur Auskunft von bonitätsrelevanten Informationen zu Privatpersonen und/oder Unternehmen. Zu diesen Informationen zählen unter anderem Identifikationsdaten, die wirtschaftliche Situation und bonitätsrelevante Daten, wie etwa das Zahlungsverhalten.

Darüber hinaus sind Wirtschaftsauskunfteien dazu verpflichtet, sich in der Ausübung ihrer Tätigkeit nach dem Datenschutzgesetz 2000 (DSG 2000),bzw. ab 25.05.2018 nach der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu richten und dementsprechend die Einhaltung des Datenschutzes zu gewährleisten.

2. Ich habe eine Mahnung erhalten. Stehe ich schon mit einem negativen Vermerk drinnen?

Keine Sorge, eine Mahnung allein führt noch nicht zu einem Eintrag bei einer Wirtschaftsauskunftei. Die sogenannten negativen Zahlungserfahrungen werden erst einer Wirtschaftsauskunftei gemeldet, sobald ein Inkassobüro mit der Betreibung beauftragt wurde. Dies bedeutet, dass im Vorfeld zu dieser Betreibung bereits mehrere Mahnläufe stattgefunden haben. Meist werden zwei bis drei solcher Zahlungserinnerungen an den Kunden ausgesendet bevor es dann zum Inkasso bzw. zum Rechtsanwalt übergeht. In diesem Schreiben des Inkassounternehmens wird auch der Kunde darüber informiert, dass im Falle der nicht fristgerechten Zahlung, diese Informationen an die Wirtschaftsauskunftei weitergegeben werden.

3. Kennen Wirtschaftsauskunfteien eigentlich mein Einkommen?

Wirtschaftsauskunfteien beziehen ihre Informationen – neben den genannten Inkassodaten – insbesondere aus öffentlich verfügbaren Quellen. Diese sind neben dem Firmenbuch, dem Grundbuch und dem Gewerberegister auch öffentliche Publikationen oder die Ediktsdatei, in der u.a. Insolvenzen und Versteigerungstermine veröffentlicht werden. In keiner dieser Quellen werden private Einkommensverhältnisse gespeichert und folglich auch nicht an Wirtschaftsauskunfteien übermittelt.

Einkünfte, die aus einer selbstständigen Tätigkeit hervorgehen werden ebenfalls nicht bezogen. Es werden lediglich Umsätze und Gewinne von Unternehmen, die im Rahmen ihres Jahresabschlusses veröffentlicht werden, erfasst.

4. Meine Bonität ist abhängig von meinem Einkommen.

Nachdem Wirtschaftsauskunfteien keine Daten zum Privateinkommen gespeichert haben, fließt auch diese Information nicht in die Einschätzung der Bonität ein. Es spielt daher keine Rolle wie hoch oder niedrig das Einkommen ist; ausschlaggebend ist das Zahlungsverhalten und öffentlich bekannte Umstände, wie etwa Insolvenzen.

5. Löschen lassen löst alle Probleme.

Ein bekannter Mythos ist die Annahme, dass eine komplette Löschung aus der Datenbank einer Wirtschaftsauskunftei das Ergebnis bei einer Bonitätsprüfung positiv beeinflusst. Dem ist aber nicht so. Denn Unternehmen erwarten sich, Informationen zu einer Privatperson oder zu einem Unternehmen zu erhalten, sobald eine Abfrage bei einer Wirtschaftsauskunftei getätigt wird. Falls aber wider Erwarten die Suche kein Ergebnis liefert, liegt die Vermutung nahe, dass sich die jeweilige Person bzw. das Unternehmen aus der Datenbank hat löschen lassen.

Dieser Umstand führt in den meisten Fällen zu einer höheren Risikoeinschätzung auf Seiten des Unternehmens, das die Daten bei der Auskunftei abfragt. Aus diesem Grund sollte eine Löschung wohl bedacht sein.

6. Wirtschaftsauskunfteien bestimmen, ob ich einen Vertrag bekomme oder nicht.

Wirtschaftsauskunfteien haben die Aufgabe, Unternehmen bonitätsrelevante Informationen zur Verfügung zu stellen, die als Unterstützung zur Entscheidungsfindung dienen. Es ist hingegen nicht die Aufgabe einer Wirtschaftsauskunftei, das generelle Zustandekommen einer Geschäftsbeziehung zu bestimmen. Dies obliegt allein dem jeweiligen Unternehmen. Denn neben diesen Daten fließen auch andere externe und vor allem interne Informationen in die Entscheidung mit ein. Somit ergibt sich eine Gesamtentscheidung, die auf unterschiedlichen Informationsquellen basiert. Eine dieser Quellen stellen die Daten von Wirtschaftsauskunfteien dar.